GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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Grenzüberschreitende Bodenseegeschichte?

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Gedächtnisorte aus Schülerperspektive

Ohne eine gemeinsame Geschichte fällt es jeder Region schwer, sich eine eigene Identität aufzubauen. Denn Regionen begründen ihre Zusammengehörigkeit durch ein historisches Gedächtnis, selbst dann, wenn sie von Staatsgrenzen durchzogen werden.

Seit einigen Jahren wird auch im Bodenseeraum die historische Zusammen­gehörigkeit immer öfter beschworen, um die Gemeinsamkeiten der Grenzregion zu betonen. Und fraglos können die Anrainer auf eine Reihe verbindender Ereignisse und Strukturen zurückblicken, etwa aufgrund der Rolle der Bistümer um den See. Ob aber historische Ereignisse, also Gedächtnisorte am Bodensee, auch bei heutigen Schul­kindern bekannt sind, gibt Aufschluss über ein gemeinsames kulturelles Gedächtnis der Bodenseeanrainer.

„Mental Maps“ von Gymnasiasten und Grundschülern der an den See grenzenden Länder zeigten, welche Gedächtnisorte den Schülern bekannt sind und welche ihnen als wichtig erscheinen. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus, was sich auf das Vorwissen der Befragten zurückführen lässt. So sehen die Lehrpläne eine Behandlung der Bodenseeregion als Kulturraum im Unterricht nicht vor, die einzelnen Schulen können diese aber thematisieren.

Der persönliche Nahraum ist den Schülern von Tagesausflügen in der Schule oder mit der Familie gewöhnlich um einiges besser vertraut als weiter entfernte historische Stätten. Trotzdem erinnern sich Schüler fast aller Anrainerländer an die Pfahlbauten in Unteruhldingen, an Konstanz als Stadt des Konzils und an Friedrichshafen aufgrund der Zeppelinfabrikation. Auch Bregenz wurde von Schülern aus allen drei Ländern oft als Erinnerungsort aufgeführt, jedoch nur von Bregenzer Schülern in einen historischen Kontext – den der römischen Geschichte der Stadt – gesetzt.

An gemeinsamen Gedächtnis­orten mangelt es also nicht. Dennoch sind die Bilder, die sich Schüler um den See von der Region machen, sehr unterschiedlich gestaltet.

 

Christine Hämmerling & Nora Kleinbub

„Diese Grenze ist in den Köpfen drin und bleibt drin. Dazu kommen völlig unterschiedliche Wahrnehmungshorizonte: der Vorarlberger Wahrnehmungshorizont reicht bis Lindau, Friedrichshafen, St. Gallen und endet dort. Umgekehrt ist Vorarlberg für Deutsche und Schweizer Tagesausflügler, Skiläufer, Wanderer etc. das Naherholungsgebiet. […] Die Schweizer stehen bis zu einem gewissen Grad mit dem Rücken zum See und haben eine lange, gepflegte Aversion gegen die Schwaben. […] Und es ist letztlich auch die Frage, ob man jetzt mit aller Gewalt versuchen muss, die Zäune einzureißen, die historisch gewachsen sind und die auch wieder verschwinden, wenn die entsprechenden Voraussetzungen dafür gegeben sind.“
Alois Niederstätter, Vorarlberger Landesarchiv

„Naja, also es gibt dort eben durch dieses Unterrichtsprinzip regionalgeschichtliche Themen, die man also dann anhängt. Also beispielsweise in der Frühgeschichte natürlich ist dann Thema Unteruhldingen, Pfahlbauten, logischerweise… oder Brigantium, weil Bregenz eine römische Stadt ist, oder später im Mittelalter zum Beispiel die Appenzellerkriege, die sind so im Bodenseeraum gewesen, dann später so in der Napoleonischen Zeit mach ich dann immer wieder bissl was.“
Ernst Wirthensohn, Bundesgymnasium Bregenz

 

Aktuelles

Die nächste Veranstaltung findet statt, am Sonntag, den 22. März 2009, um 11 Uhr vormittags, im LOCORAMA Romanshorn (Egnacherweg 1)

Mit den Podiumsgästen:

  • Lucia Studer (Institut für sozialwissenschaftliche Regionalforschung, Bregenz)
  • Claudius Graf-Schelling (Regierungsrat, Kanton Thurgau)
  • Thomas Willauer (Bodensee-Magazin, Konstanz)