GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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Uferloses Schriftgut

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Stationen grenzüberschreitender Literatur am Bodensee

Obwohl bereits im 9. Jahrhundert Mönche auf der Insel Reichenau Texte über den Bodensee verfassten, bildete sich hier erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Art literarische Szene: Neben den zunehmenden Ansiedlungen bedeutender Künstler, dürften wohl vor allem die zahlreichen Publikationen und Verbindungen, die bis heute die literarische Landschaft des Bodensees prägen, dafür verantwortlich sein. Besonders herausragend in diesem Zusammen­hang ist wohl das von 1914 bis 1965 publizierte „Bodenseebuch“, ein grenzüberschreitendes Jahrbuch, das mit Beiträgen unter anderem von Hermann Hesse, Otto Dix und Emanuel von Bodman die kulturelle Vielfalt rund um den See spiegelt. Ab den 50er-Jahren entstand mit dem Bodensee-Klub ein Austauschforum, das neben künstlerischen und literarischen Veranstaltungen auch ange­sehene Literaturpreise mitinitiierte, wie zum Beispiel den „Meersburger Drostepreis“ und den mit 5 000 Euro dotierten „Bodensee-Literaturpreis“. Der von der Stadt Überlingen gestiftete „Bodensee-Literaturpreis“ mit seiner aus allen drei Ländern zusammengesetzten Jury wird alle zwei Jahre verliehen.

Während als Voraussetzung für die Nominierung im literarischen Werk eine Beziehung zum Bodensee hergestellt sein muss, die so genannte „Bodanität“, verlangt die von Martin Walser mitbegründete „Meersburger Autorenrunde“ in ihren Werkstattgesprächen keine derartigen Bedingungen. Dennoch charakterisieren „Raum“, „Sprache“ und die damit zusammenhängende „Identität“ die Literatur am Bodensee: Beschrieben die Literaten einst die Idylle und die paradiesische Landschaft der Region, setzen sich heute viele – wie zum Beispiel der auf der Höri lebende Maler und Dichter Bruno Epple – mit der hiesigen Mundart, dem einigenden alemannischen Dialekt, den realen Lebensverhältnissen sowie der Gesellschaft und der Umwelt am See auseinander. Die zahlreichen Institutionen, kulturellen Einrichtungen und publizistischen Medien ermöglichen eine lebendige literarische Verbindung der Länder, in der das Schriftgut nicht mehr nur örtlich gebunden, sondern wie das treibende Strandgut uferlos über den See an die andere Seite geschwemmt wird.

 

Marius Kneer

Doo woni wohn
„Uf de Höri hinte
doo woni wohn
am Räbberg z obersch dobe

doo schuumet d Wise ums Huus
unterm Gwelk vu de Moscht­birrebämm
blauets ufe und blitzts:
doo himmlet de See om aa.“
Bruno Epple: Doo woni wohn. Alemannische Gedichte

 

Aktuelles

Soeben erschienen ist der Projektband „GrenzRaumSee. Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion.“ mit Unterstützung des Landes Vorarlberg und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Erhältlich für 21 EUR im Buchhandel oder direkt beim Verlag.