GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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Kunstraum Bodensee

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Praxisfeld und Kommunikationsmedium

Das Zusammenspiel von bildenden Künstlern, ihren Arbeiten, dem Publikum und Organisationen der Kunstförderung macht die Bodensee­region zu einem dicht besetzten Raum der Kunst. Verbindende wie trennende Grenzen werden dabei im Prozess des Kunstschaffens kommuniziert. Nicht nur Künstler und Betrachter nehmen daran teil, auch kulturfördernde Institutionen auf nationaler wie auch grenzüberschreitender Ebene bestimmen den Austausch von Künstlern untereinander und ermöglichen einem breiten Publikum den Zugang zu diesen Foren.

Auffallend ist die hohe Sichtbarkeit der Kunst am See: In der gesamten Region findet man eine Vielzahl von Skulpturen, öffentlich zugänglichen Ateliers, Galerien und Kunstmuseen. Der Maler Michael Prax, inspiriert vom Bodensee, präsentiert sein Werk in seinem Atelier in Ermatingen. Die Skulpturen Peter Lenks sind in vielen Städten um den See zu finden und erzählen Geschichten der Region. Volker Paul oder Sepp Bögle hinterlassen ihre Steinbalance-Skulpturen meist in unmittelbarer Nähe des Seeufers. Max Bottini und Johannes Dörflinger machen in Arbeiten wie grenzenlosfeiern oder dem Skulpturenpark Kunstgrenze die Grenze selbst zum Thema. Kurz: für viele Künstler ist der Bodensee als Topos unersetzlich. Daneben lässt etwa der kunstdidaktische Lehrpfad Kunstroute Untersee in die Geschichte der Kunst am See einblicken. Und Institutionen wie die Kommission Kultur der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK), die Kunstmesse art-bodensee in Dornbirn, lokale Künstlervereinigungen oder der Kunstverein Konstanz fördern die verschiedenen Akteure oder bieten ihnen und der facettenreichen Kunstlandschaft eine Plattform.

Doch die bildende Kunst um den Bodensee und die Ambitionen der Künstler beschränken sich nicht auf die Themen See oder Grenzen, und auch die Arbeit sowie die Förderung der Künstler sind zusehends interdisziplinär. Zudem machen viele Bodenseekünstler ihre Arbeit über Landesgrenzen hinweg zugänglich. Das macht die Bodenseeregion vielleicht zu einem tatsächlich einzigartigen, grenzüberschreitenden Kunstraum. Künstlerische Praxis wird dabei zu einem Instrument der Verständigung im Alltag, und der Austausch der Künstler und Institutionen unter­einander kann auch Anlass für enger zusammen­wachsende Netzwerke in anderen Feldern kommunikativer Praxis im Bodenseeraum sein.

 

Christina Rosenberger

„Wenn ich die Aktionen am See mache, gibt es sofort Kontaktierungen. Es gibt sofort Gruppierungen von Leuten, die stehen bleiben. Es findet ein Austausch statt. Damit schafft man einfach Kommunikation und Harmonie unter Fremden, unter Menschen, die sich nie zuvor begegnet sind. Das ist für mich noch wertvoller als die Skulpturen selbst.“
Volker Paul, Aktionskünstler, Radolfzell

„Die Imperia war vom Stadtrat verboten, die haben wir nachts aufgestellt. Nachts kam der Bürgermeister, während wir den zweiten Teil aufbauten und fragte, was wir dort machen. Wir sollten es abbauen aber in der nächsten Nacht haben wir alles aufgestellt. Danach kamen lauter Abbruchbescheide, immer wieder neue Termine. Aber im Prinzip ist es wurscht, man kann 20 Tonnen nicht wegschwätzen. Und letztes Jahr haben sie es gekauft!“
Paraphrasierte Aussage von Peter Lenk, Bildhauer, Bodman-Ludwigshafen

„Ich nehme die Grenzen absolut nicht wahr. Die Grenze ist für mich hier nicht existent.“
„[Hier am See gibt es] eine Lebensqualität, die ich schätze. Dieser Blick ist einfach gigantisch und er ist immer anders, und ich kann jederzeit ins Wasser springen.“
Michael Prax, Maler, Ermatingen

 

Aktuelles

Die nächste Veranstaltung findet statt, am Sonntag, den 22. März 2009, um 11 Uhr vormittags, im LOCORAMA Romanshorn (Egnacherweg 1)

Mit den Podiumsgästen:

  • Lucia Studer (Institut für sozialwissenschaftliche Regionalforschung, Bregenz)
  • Claudius Graf-Schelling (Regierungsrat, Kanton Thurgau)
  • Thomas Willauer (Bodensee-Magazin, Konstanz)