GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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Schwimmende Brücke - Bodenseefähren

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Vom ästhetisierten See und symbolisierten Grenzen

Die beiden Bodenseefähren zwischen Konstanz und Meersburg sowie zwischen Friedrichshafen und dem schweizerischen Romanshorn sind eingebunden in das öffentliche Verkehrsnetz der Region und dadurch ein wichtiger Teil der Infrastruktur des Bodensees. In dieser Art des Seeverkehrs kommt die Gleichzeitigkeit gegenläufiger Bedeutungen zum Ausdruck: Die Fähren symbolisieren zugleich Trennung und Verbindung innerhalb der Region.
Als wichtiger Teil der Mobilität in der Boden­seeregion schaffen die Autofähren Verbindungen, wo sonst keine wären, und lassen dabei die Trennung der Uferseiten durch das Wasser unbedeutend erscheinen. Die Fähren – als Gestalt gewordene Metapher – verfestigen so auch die symbolische Verbindung über den See.

Der Seeverkehr ist eingebettet in eine Bildwelt, in der sich verschiedenste Bedeutungen visualisieren. Er steht im Spannungsfeld zwischen reinem Verkehrsmittel und touristischer Attraktion. Glas als entscheidendes Material sowie die offene Architektur der Fähren setzen den Bodensee in Szene: Ähnlich einer touristischen Ausflugsfahrt ermöglichen die Schiffe eine intensive See-Wahrnehmung und rücken dadurch das ästhetische Erleben des Sees in den Vordergrund: In dieser Inszenierung wird der Bodensee als einheitlicher, einigender Raum erfahrbar gemacht.

Eine verbindlich gezogene Staatsgrenze – in Form einer definierten Linie – existiert auf dem See nicht, da der Bodensee allen drei Anrainer­staaten gleichermaßen ‚gehört€˜. Dennoch, oder gerade deswegen, wird besonders in den Häfen der Grenze Ausdruck verliehen, wird sie in der Bildwelt erfahrbar und begreifbar gemacht. Der Seeverkehr kommuniziert somit die Staatsgrenze in ihren geläufigen Symbolen – Zaun, Zollschild oder Grenzhäuschen. Dahinter tritt der Eindruck der Verbindung durch die Fähren zurück. So schafft der See­verkehr von Deutschland in die Schweiz eine Bild- und Erfahrungswelt der Grenze, in der die Trennung durch den See zwar aufgehoben scheint, die staatliche Trennung der Länder jedoch beständig betont und aufrecht gehalten wird.

 

Käthe Draser & Jan Hinrichsen

„Die Bodenseefähre, die auch von Fußgängern und Radlern genutzt werden kann, verkehrt zwischen Friedrichshafen-Romanshorn ganzjährig im Stundentakt. Der Fährebetrieb wird gemeinsam von der Bodensee Schiffsbe­triebe GmbH und der SBS Schifffahrt AG betrieben.
Übrigens, wussten Sie, dass Sie mit der Fähre-Fahrt zwischen Friedrichshafen und Romanshorn fast die tiefste Stelle des Bodensee (ca. 254 Meter unter dem Seespiegel) überqueren und sich ausserdem rund 70 Strassenkilometer ersparen? – Das heisst nichts anderes, dass Sie das Angenehme (kein Stau, eine warme Tasse Kaffee, eine leichte Brise um die Nase...) mit dem Nützlichen verbinden können.“
Internet-Selbstdarstellung der Bodensee Schiffsbetriebe

„Diese Seefahrt ist lustig, diese Seefahrt ist schön. Man überquert keinen Ozean und hat doch das Gefühl, Schiffsreisender zu sein. […] Die Seereise mag kurz sein, aber sie führt weit hinaus aus dem Alltag. […] Man kann an Bord sogar speisen, auch wenn‘s kein Käptn‘s-Dinner ist, sondern nur ein Leichtmatrosen-Happen. Im Preis inbegriffen ist der Sitzplatz mit Seesicht nach allen Seiten. Ein Hochgenuss: Insel Mainau, Kloster Birnau, am Horizont die Alpen. Noch mehr erlebt man mit geschlossenen Augen: In diesem Fall kann man sogar Meeres­rauschen hören.“
Zeitungsbericht (Sindelfinger/Böblinger Zeitung vom 02.02.2008)

 

Aktuelles

Die nächste Veranstaltung findet statt, am Sonntag, den 22. März 2009, um 11 Uhr vormittags, im LOCORAMA Romanshorn (Egnacherweg 1)

Mit den Podiumsgästen:

  • Lucia Studer (Institut für sozialwissenschaftliche Regionalforschung, Bregenz)
  • Claudius Graf-Schelling (Regierungsrat, Kanton Thurgau)
  • Thomas Willauer (Bodensee-Magazin, Konstanz)