GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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(Dauer-)Camping

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Tourismus, Orts- und Naturverbundenheit

Über 80 Campingplätze säumen die Ufer des Bodensees. Ohne sie wäre der See kaum denkbar, sie gehören einfach zum Bild der Region dazu. Auf der Suche nach dem unmittelbaren Naturerlebnis füllen sich die Plätze jährlich mit unzähligen Urlaubern aus dem nahen und weiten Einzugsgebiet. Denn anders als die meisten Hotels und Pensionen haben viele der Campingsites einen direkten Seezugang. Teils in Naturschutzgebieten gelegen, bieten sie Platz für Boote und allerlei Wassersportequipment, und eine Übernachtung ist noch dazu günstiger zu haben als ein Zimmer mit Seeblick: Wanderer und Naturliebhaber, Radfahrer und Wassersportler frequentieren daher gleichermaßen die Wohnwagen- und Zeltplätze.

Das touristische Publikum variiert entsprechend der jeweiligen Möglichkeiten. Am Untersee verbringen vorwiegend Senioren und Familien mit Kleinkindern ihre Freizeit: Hautnahes Natur­erleben steht hier im Vordergrund. Aktivurlauber vergnügen sich dagegen mit Surfen, Kiten oder Wasserskifahren vorwiegend am deutschen und österreichischen Obersee. Häufiger als am Untersee sind hier Tagestouristen und Jugendgruppen vertreten.

Eine besondere Rolle spielen neben den Angeboten für den Tages-, Wochenend- und Ferientourismus die für den Bodensee typischen Dauercampinganlagen. Hier finden sich diejenigen Urlauber, die Camping als Lebensgefühl praktizieren und sich nicht mit den Durchreisenden und Tagestouristen gleichsetzen lassen. Meist in der Stadt in einer Mietwohnung lebend, verbringen sie bei jedem Wetter ihre Zeit auf dem Platz: eine Art der Freizeitgestaltung, die über das bloße Nutzen von Natur- und Freizeitressourcen hinausgeht. In der Gemeinschaft der Camper entwickelt sich dabei ein gemeinsames Erleben der Umwelt, eine persönliche Identifizierung mit dem See und der Region. Welcher Urlauber sonst kennt den Fischer im Nachbar­ort, bei dem man morgens fangfrischen Fisch kaufen kann, oder vermag zu sagen, wo die Nachtigall in diesem Frühjahr brütet. Dauercamper machen nicht nur ihren Wohnwagen zum Zweitwohn­sitz, sie werden am Bodensee auch zu Einheimischen auf Zeit.

 

Roswitha Schulz

„Der Camper will ja draußen sein, der sitzt draußen und frühstückt. Die wollen das genießen in der Natur. Es sind schon ganz andere Leute, als die, die ins Hotel gehen. Wir haben in den Waschhäusern biologische Putzmittel, wir sammeln den Kompost. Wir recyceln ja das PET und das Glas‘“
Campingplatzmitarbeiterin, Markelfingen

„Das ist schon ein bisschen cliquenhaft. Die Renate, zwei Wohn­wagen weiter vorne, zum Beispiel weiß genau, wir essen auch gerne Fisch. Und dann kommt sie und sagt: ‚Wir fahren zum Spicker. Willste Fisch? Nen gehäuteten oder nen frischen?‘ Oder wenn wir fahren, da fragen wir auch: ,Wollt ihr welchen?‘“
Dauercamperin, Radolfzell

„Erstmal so, mein Mann ist ein Schwarzwälder, ist aber nach 1952 nach Radolfzell gekommen, und der Bodensee hat uns schon immer fasziniert. Dann hat es uns aber arbeitsmäßig nach Reutlingen versetzt, und wir kommen eigentlich regelmäßig seit ’76 wieder. Erst haben wir drüben gezeltet. Wir haben drei Kinder. Und dann hab ich mit dem Kreuz Probleme gekriegt. Und da gab es ja hier ne Warteliste. Damals war der Andrang auf einen Wohnwagenplatz noch sehr groß, da war die Warteliste fünf Jahre, bis man dran kam, und dann waren wir gerade so 44 oder 45 sowas […]. Und dann hat der Hermann gesagt, so, jetzt melden wir uns auf‘n Wohnwagenplatz an und dann wissen wir ja, dass wir in fünf Jahren […], also das geht so nicht weiter […] das Feuchte.“
Dauercamperin, Radolfzell

 

Aktuelles

Die nächste Veranstaltung findet statt, am Sonntag, den 22. März 2009, um 11 Uhr vormittags, im LOCORAMA Romanshorn (Egnacherweg 1)

Mit den Podiumsgästen:

  • Lucia Studer (Institut für sozialwissenschaftliche Regionalforschung, Bregenz)
  • Claudius Graf-Schelling (Regierungsrat, Kanton Thurgau)
  • Thomas Willauer (Bodensee-Magazin, Konstanz)