GrenzRaumSee

Eine ethnographische Reise durch die Bodenseeregion

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Der Seh-Weg

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Raumerleben und Wahrnehmung auf dem Bodensee-Radweg

Kleinkinder und Senioren, Anrainer und Touristen, Luxus­räder und klapprige Drahtesel: Der Bodenseeradweg zwischen Alpen und See zieht jährlich 250 000 Menschen an und motiviert sie dazu, ihre Freizeit auf dem Fahrrad zu verbringen. Doch was bietet der Bodensee-Radweg, was so viele Menschen dort suchen und auch zu finden scheinen? Betrachtet man die Strecke genauer, ergeben sich zwei Sichtweisen auf den Erlebnisraum „Radweg“, der Rad­reisende durch drei Länder führt. Zum einen erfahren die Urlauber einen vorstrukturierten Raum, eine Region, in dem der massenhafte Gebrauch des Fahrradweges vielfältige Spuren hinterlässt: unzählige Wegweiser, Fahrradgaststätten, Pensionen oder Fahrrad­werkstätten. Durch diese Infrastruktur entstand in den letzten Jahren eine Schutzzone, in der fast jeder zum Radtouristen werden kann. Kurierdienste transportieren Radtaschen von einer Pension zur nächsten und sorgen damit für Erleichterung bei den Rad­fahrern, die dann nur noch die Tagesetappe zu bewältigen haben.

Zum anderen bietet der Bodenseeradweg einen Rahmen für individuelle Naturerfahrungen und eine kalkulierbare Form von Abenteuer­urlaub. Für Menschen, die bereit sind, sich auf sinnlich-körperliche Erfahrung einzulassen, kann der Radweg auch einen Ausweg aus alltäglichen Raum- und Zeitzwängen darstellen. Viele machen auf einer Fahrradreise die Entdeckung, dass sich das Landschaftserlebnis durch die stetige körperliche Bewegung verändert. Die angenehme Monotonie des Radfahrens lässt den Gedanken freien Lauf. Die Fahrt bietet Gelegenheit, ohne Zeitdruck die ganze Aufmerksamkeit einer Kleinigkeit zu widmen oder den Blick schweifen zu lassen: über eine besondere Naturlandschaft, den See, seine Ufer und den doch vorstrukturierten Raum am Wegesrand.

 

Christina Blum & Christiane Engel

„Mit dem Fahrrad ist man schneller als zu Fuß bei Wanderungen und kann auch eine größere Distanz zurücklegen. Dabei ist es langsamer als Auto zu fahren und ermöglicht es, Natur mehr wahrzunehmen. Endlich gibt es auch Zeit, nebeneinander her zu radeln und miteinander zu reden. Das ist für mich das Wichtigste, dass wir reden.“
Radtourist, Familienvater, 40, Bodenseeradweg

„Der Radweg ist sehr gut befahrbar, aber ich bin enttäuscht, dass man von hier oben nicht öfter einen schönen Blick über den See hat. Man fährt viel zu viel an der Straße. Auch die Steigungen sind hier steil und vor allem für meine Frau zu anstrengend. Aber das ist ja immer das, was man im Reiseführer nicht zu sehen bekommt. […]. Wenn man dann aber mal den See sieht, ist das immer sehr schön.“
Radtourist, 60, Bodenseeradweg

 

Aktuelles

Die nächste Veranstaltung findet statt, am Sonntag, den 22. März 2009, um 11 Uhr vormittags, im LOCORAMA Romanshorn (Egnacherweg 1)

Mit den Podiumsgästen:

  • Lucia Studer (Institut für sozialwissenschaftliche Regionalforschung, Bregenz)
  • Claudius Graf-Schelling (Regierungsrat, Kanton Thurgau)
  • Thomas Willauer (Bodensee-Magazin, Konstanz)